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Ratgeber · Formate

E-Book-Formate verstehen: EPUB, MOBI, AZW, PDF und mehr

Wer E-Books liest, stolpert ueber ein Dutzend Dateiendungen. Dieser Ueberblick erklaert die wichtigsten Formate, ihre Geraete und warum EPUB der gemeinsame Nenner geworden ist.

5 Min Lesezeit 1.146 Wörter 4 FAQs
Jan-Tristan Rudat
Jan-Tristan RudatRedakteur
Geprüft am

E-Books kommen in einer verwirrenden Vielfalt an Dateiformaten. Wer ein Buch kauft, herunterlaedt oder selbst erstellt, trifft auf Endungen wie .epub, .mobi, .azw3, .pdf oder .fb2. Hinter jeder dieser Endungen steckt eine andere technische Idee, eine andere Geraetewelt und oft auch eine andere Frage von offen gegen geschlossen. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Formate ein und zeigt, welches auf welchem Reader funktioniert.

Das Grundprinzip: fester gegen fliessender Text

Zuerst die wichtigste Unterscheidung. Es gibt zwei grundsaetzlich verschiedene Arten, ein E-Book zu speichern.

Die eine Art bildet eine Seite exakt so ab, wie sie gedruckt aussehen wuerde. Das Layout liegt fest, jeder Buchstabe sitzt an einer definierten Position. Das klassische Beispiel ist PDF. Der Vorteil ist eine garantierte Darstellung, der Nachteil ist die fehlende Anpassung an kleine Bildschirme.

Die andere Art speichert den Text als fliessenden Strom, der sich neu umbricht, sobald sich Schriftgroesse oder Displaybreite aendern. Fachleute nennen das reflowable. EPUB und die Kindle-Formate gehoeren dazu. Genau diese Flexibilitaet ist der Grund, warum reflowable Formate auf E-Ink-Readern den Standard bilden. Der Leser stellt seine Wunschschrift ein und das Buch passt sich an, statt dass er zoomen und schieben muss.

EPUB: der offene Standard

EPUB ist das mit Abstand verbreitetste offene E-Book-Format. Urspruenglich vom International Digital Publishing Forum (IDPF) entwickelt, wird der Standard heute vom World Wide Web Consortium (W3C) gepflegt. Die aktuelle Generation ist EPUB 3.

Technisch ist ein EPUB nichts anderes als ein gepacktes ZIP-Archiv aus Webtechnologien. Im Inneren stecken HTML-Dateien fuer den Inhalt, CSS fuer das Aussehen, eingebettete Schriften und Bilder sowie eine Steuerdatei, die die Reihenfolge und die Metadaten festlegt. Wer schon einmal eine Website gebaut hat, erkennt die Bausteine sofort. Diese Naehe zum offenen Web ist die grosse Staerke von EPUB. Das Format ist dokumentiert, herstellerunabhaengig und laesst sich von nahezu jeder Lese-App oeffnen.

EPUB 3 unterstuetzt zudem moderne Funktionen wie semantische Auszeichnung fuer Barrierefreiheit, mathematische Formeln per MathML, Audio, Video und feste Layouts fuer Kinderbuecher oder Comics. Apple Books, der Tolino, Kobo-Reader, PocketBook und unzaehlige Apps lesen EPUB nativ. Nur Amazons Kindle tanzt aus der Reihe, dazu gleich mehr.

Wichtig: EPUB selbst enthaelt keinen Kopierschutz. Haendler legen aber haeufig eine DRM-Schicht darueber, meist Adobe DRM. Ein solches Buch laesst sich dann nur mit einer Adobe-ID und kompatibler Software oeffnen. Ein DRM-freies EPUB dagegen ist eine schlichte, frei kopierbare Datei.

MOBI und AZW: die Amazon-Welt

Amazon kocht beim Kindle traditionell ein eigenes Sueppchen. Die Geschichte beginnt mit MOBI, einem Format auf Basis des aelteren Mobipocket-Standards. MOBI ist technisch einfach und kennt nur rudimentaeres Layout.

Darauf baute Amazon das Format AZW auf, im Kern ein MOBI mit Amazons eigenem DRM und Kontobindung. Die naechste Stufe heisst AZW3, intern auch KF8 genannt. AZW3 bringt deutlich bessere Typografie, eingebettete Schriften und CSS-Unterstuetzung, also vieles, was EPUB schon laenger konnte. Die juengsten Kindle-Buecher liefert Amazon haeufig im noch moderneren KFX-Format aus, das fortgeschrittene Typografie und Layout-Funktionen bietet.

Alle diese Formate sind proprietaer und an das Amazon-Oekosystem gebunden. Ein gekauftes Kindle-Buch mit DRM laeuft regulaer nur auf Kindle-Geraeten und in den offiziellen Kindle-Apps. Lange akzeptierte der Kindle kein EPUB. Seit Ende 2022 nimmt der Dienst Send to Kindle zwar EPUB-Dateien an, wandelt sie aber im Hintergrund in Amazons internes Format um. Auf dem Geraet selbst kommt also nie ein echtes EPUB an.

PDF: das feste Seitenformat

PDF (Portable Document Format) stammt von Adobe und ist heute ein offener ISO-Standard. Es speichert eine Seite mit fixem Layout, exakter Schriftpositionierung und eingebetteten Grafiken. Genau deshalb ist PDF unschlagbar, wenn das Aussehen zaehlt: bei Fachbuechern mit komplexen Tabellen, bei wissenschaftlichen Arbeiten, Notenblaettern oder Dokumenten mit festem Satzspiegel.

Der Nachteil zeigt sich auf kleinen E-Ink-Readern. Weil der Text nicht neu umfliesst, muss der Leser auf einem 6-Zoll-Schirm zoomen und horizontal scrollen. Lesekomfort sieht anders aus. PDF eignet sich daher gut fuer Tablets, grosse Reader oder den Druck, weniger fuer das fliessende Romanlesen unterwegs. Wer ein PDF dennoch bequem auf einem kleinen Reader lesen will, konvertiert es besser in ein reflowable Format, oder geht den umgekehrten Weg und erzeugt aus einem EPUB ein sauber gesetztes PDF.

Die Nischenformate: FB2, DjVu und CBZ

Neben den grossen Drei gibt es Formate fuer spezielle Anwendungsfaelle.

FB2 (FictionBook) ist ein offenes, XML-basiertes Format, das vor allem im russischsprachigen Raum verbreitet ist. Es speichert ein Buch in einer einzigen strukturierten Datei und legt den Fokus auf saubere semantische Auszeichnung von Kapiteln, Absaetzen und Metadaten. Viele Lese-Apps wie FBReader oder PocketBook unterstuetzen es.

DjVu wurde fuer gescannte Dokumente entwickelt. Es komprimiert eingescannte Seiten, alte Buecher und Bilddokumente sehr effizient und trennt dabei Text-, Hintergrund- und Vordergrundebenen. Man findet es vor allem in digitalen Archiven und Bibliotheken.

CBZ und CBR sind die Comic-Formate. Im Kern handelt es sich um ein ZIP- beziehungsweise RAR-Archiv voller Bilddateien, die in der richtigen Reihenfolge benannt sind. Ein Comic-Reader zeigt sie Seite fuer Seite an. Diese Formate eignen sich fuer Comics, Mangas und Graphic Novels, also fuer alles, was rein bildbasiert ist und kein fliessender Text sein soll.

Format-Uebersicht

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften zusammen.

FormatPrinzipOffen oder proprietaerTypische Geraete und AppsDRM ueblich
EPUBreflowableoffen (W3C)Tolino, Kobo, Apple Books, PocketBook, viele Appsoptional (Adobe)
MOBIreflowableproprietaer (Amazon)aeltere Kindle, Kindle-Appsteils
AZW / AZW3reflowableproprietaer (Amazon)Kindle, Kindle-Appsja
PDFfixes Layoutoffen (ISO)Tablets, grosse Reader, Desktopoptional
FB2reflowableoffen (XML)FBReader, PocketBook, viele Appsselten
DjVuScan-BildoffenArchive, spezielle Viewerselten
CBZ / CBRBildarchivoffenComic-Readernein

Welcher Reader liest welches Format

Die Geraetewahl bestimmt in der Praxis oft das Format. Der Kindle von Amazon lebt im eigenen Oekosystem mit AZW3 und KFX und nimmt EPUB nur ueber den konvertierenden Umweg an. Wer einen Tolino, Kobo oder PocketBook nutzt, ist mit EPUB bestens bedient, denn diese Geraete lesen den offenen Standard nativ und unterstuetzen zusaetzlich PDF und meist FB2. Apple Books auf iPhone und iPad setzt ebenfalls auf EPUB und PDF.

Daraus folgt eine einfache Faustregel. Wer geraeteunabhaengig bleiben und seine Sammlung in zwanzig Jahren noch oeffnen will, archiviert in EPUB. Das Format ist offen, breit unterstuetzt und laesst sich jederzeit in jedes andere konvertieren. Genau diese Universalitaet hat EPUB zum gemeinsamen Nenner der E-Book-Welt gemacht. Es verbindet die Offenheit des Webs mit den praktischen Anforderungen des Lesens auf jedem Bildschirm und ist deshalb der verbreitetste offene Standard ueberhaupt.

Erst wenn ein festes Layout zwingend ist, etwa bei einem Fachbuch mit Tabellen oder einem Dokument zum Ausdrucken, fuehrt der Weg zu PDF. Und wer ein bequem lesbares EPUB ausdrucken oder als seitenfeste Datei weitergeben moechte, wandelt es einfach im Browser in ein PDF um.

FAQ

Häufige Fragen

Kann ich ein EPUB auf einem Kindle lesen?

Aeltere Kindle-Modelle akzeptierten kein EPUB direkt. Seit Ende 2022 nimmt der Versand-Dienst Send to Kindle EPUB-Dateien an und wandelt sie automatisch in Amazons internes Format um. Auf dem Geraet selbst liegt danach kein EPUB mehr, sondern eine konvertierte Fassung. Alternativ konvertieren Sie vorab mit einem Tool wie Calibre.

Was ist der Unterschied zwischen MOBI, AZW und AZW3?

MOBI ist das aeltere Amazon-Format auf Basis von Mobipocket und kennt nur einfaches Layout. AZW ist eine MOBI-Variante mit Amazon-DRM. AZW3 (auch KF8) ist die modernere Generation mit besserer Typografie, eingebetteten Schriften und CSS-Unterstuetzung. Neue Kindle-Buecher nutzen heute meist das noch juengere KFX-Format.

Warum sieht ein PDF auf kleinen Readern oft schlecht aus?

PDF speichert ein festes Seitenlayout in Punkten. Der Text fliesst nicht neu um, wenn sich die Bildschirmgroesse aendert. Auf einem 6-Zoll-Reader muss man deshalb oft zoomen und horizontal scrollen. EPUB dagegen ist reflowable und passt sich der Schriftgroesse und dem Display an.

Welches Format sollte ich fuer mein E-Book-Archiv waehlen?

EPUB ist die sicherste Wahl fuer ein langfristiges Archiv. Es ist ein offener W3C-Standard, wird von fast jeder Lese-App unterstuetzt und laesst sich verlustfrei in andere Formate konvertieren. Proprietaere Formate mit DRM koennen an ein Konto oder ein Geraet gebunden sein.

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Quellen

Worauf dieser Ratgeber sich stützt

Veröffentlicht · zuletzt geprüft
Verantwortlich: Jan-Tristan Rudat
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