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Ratgeber · Recht & DRM

DRM bei E-Books: was ist erlaubt, was nicht

DRM entscheidet, ob sich ein E-Book frei nutzen lässt oder an einen Anbieter gebunden bleibt. Dieser Überblick erklärt Technik, Hintergrund und den rechtlichen Rahmen in Deutschland.

6 Min Lesezeit 1.214 Wörter 4 FAQs
Eike-Christian Ramcke
Eike-Christian RamckeGeschäftsführer · Verantwortlich gem. § 18 Abs. 2 MStV
Geprüft am

Wer ein E-Book kauft, geht oft davon aus, dass die Datei ihm genauso gehört wie ein gedrucktes Buch im Regal. In der Praxis sieht das anders aus. Viele E-Books sind an ein Konto, ein Lesegerät oder eine bestimmte App gebunden und lassen sich nicht ohne Weiteres in ein anderes Format umwandeln. Der Grund dafür heißt DRM. Dieser Überblick erklärt, was dahintersteckt, warum gekaufte Bücher so häufig eingeschränkt sind und welche Regeln das deutsche Urheberrecht für den privaten Umgang mit E-Books vorgibt.

Was DRM überhaupt bedeutet

DRM steht für Digital Rights Management, auf Deutsch etwa Verwaltung digitaler Rechte. Gemeint ist eine Technik, die festlegt, was sich mit einer digitalen Datei machen lässt und was nicht. Bei E-Books soll DRM vor allem verhindern, dass ein gekauftes Buch beliebig kopiert, weitergegeben oder auf fremden Geräten geöffnet wird. Der Verlag oder Händler behält damit Kontrolle über die Nutzung, auch nachdem das Buch verkauft wurde.

Technisch funktioniert DRM meist über eine Verschlüsselung. Die eigentliche Buchdatei ist so verpackt, dass sie nur mit dem passenden Schlüssel lesbar wird. Diesen Schlüssel hält die zugelassene Lese-Software bereit, gebunden an ein Benutzerkonto. Öffnet jemand dieselbe Datei in einem anderen Programm, fehlt der Schlüssel und das Buch bleibt unlesbar. Genau deshalb scheitert auch ein Browser-Konverter wie epub-pdt an solchen Dateien. Er bekommt keinen Zugriff auf den entschlüsselten Inhalt und kann nichts umwandeln.

Die gängigen DRM-Systeme

Im E-Book-Markt haben sich einige Systeme durchgesetzt, die nebeneinander existieren und untereinander nicht kompatibel sind.

Adobe DRM, technisch ADEPT genannt, ist der verbreitetste Schutz bei EPUB-Dateien außerhalb der großen geschlossenen Plattformen. Wer ein so geschütztes Buch liest, braucht eine Adobe-ID und ein Programm, das dieses System unterstützt, etwa bestimmte Lese-Apps oder kompatible E-Reader. Die Datei ist an diese Adobe-ID gekoppelt.

Amazon nutzt ein eigenes DRM für sein Kindle-Format. Bücher aus diesem Shop sind an das Amazon-Konto und die Kindle-Umgebung gebunden und liegen ohnehin nicht als EPUB vor. Ähnlich verfahren weitere große Anbieter mit jeweils eigenen, geschlossenen Systemen.

Daneben gibt es das digitale Wasserzeichen, oft als Soft-DRM bezeichnet. Hier ist die Datei nicht verschlüsselt, sondern enthält nur unsichtbar Käuferdaten, die eine spätere Verbreitung zurückverfolgbar machen. Solche Bücher sind technisch frei nutzbar, lassen sich auf jedem Gerät öffnen und problemlos umwandeln. Sie zählen praktisch zu den DRM-freien E-Books, auch wenn ein Kennzeichen mitgeführt wird.

Warum gekaufte E-Books an einen Anbieter gebunden sind

Die Bindung an ein Konto ist kein technischer Zufall, sondern gewollt. Aus Sicht der Verlage und Händler soll DRM die unkontrollierte Verbreitung eindämmen und das Geschäftsmodell schützen. Solange ein Buch nur in der hauseigenen Umgebung läuft, bleibt der Kunde an die Plattform gebunden und wechselt seltener zu einem Konkurrenten.

Für den Käufer hat das spürbare Folgen. Ein bei einem Anbieter gekauftes Buch lässt sich oft nicht auf einem Gerät eines anderen Herstellers lesen. Wer die Plattform wechselt, kann seine Sammlung in der Regel nicht mitnehmen. Und wenn ein Dienst eingestellt wird, steht im schlimmsten Fall die Frage im Raum, ob die gekauften Bücher dauerhaft nutzbar bleiben. Rechtlich erwirbt man beim E-Book-Kauf meist auch kein Eigentum an einer Datei, sondern ein Nutzungsrecht zu den Bedingungen des Anbieters. Das erklärt, warum sich ein E-Book nicht so verhält wie ein gedrucktes Buch, das man verschenken oder verkaufen kann.

Der rechtliche Rahmen in Deutschland

An dieser Stelle ist eine klare Einordnung wichtig, ersetzt aber keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Das deutsche Urheberrecht trennt zwei Fragen, die häufig durcheinandergeraten: das Anfertigen einer Privatkopie und das Umgehen eines Kopierschutzes.

Grundsätzlich erlaubt § 53 UrhG einzelne Vervielfältigungen zum privaten Gebrauch. Bei einem DRM-freien E-Book, das rechtmäßig erworben wurde, ist es deshalb in der Regel zulässig, für sich selbst eine Sicherungskopie anzulegen oder das Buch in ein anderes Format zu bringen. Diese Erlaubnis gilt nur für den privaten Bereich. Sie deckt keine Weitergabe an Dritte, kein Hochladen und keinen Verkauf der Kopie.

Sobald jedoch ein wirksamer Kopierschutz im Spiel ist, greift § 95a UrhG. Diese Vorschrift verbietet das Umgehen wirksamer technischer Schutzmaßnahmen. Das gilt auch dann, wenn die Kopie ausschließlich für den eigenen Gebrauch gedacht wäre. Die Privatkopie-Regel öffnet hier keine Hintertür: Sie erlaubt das Kopieren als solches, nicht aber das Knacken eines DRM, um überhaupt erst an den Inhalt zu kommen. Wer also ein DRM-geschütztes E-Book entschlüsselt, bewegt sich außerhalb des gesetzlich Zulässigen, selbst wenn das Buch ordnungsgemäß gekauft wurde.

Aus diesen beiden Vorschriften ergibt sich eine einfache Faustregel. Ohne Kopierschutz ist die private Kopie der Normalfall. Mit Kopierschutz ist nicht die Kopie das Problem, sondern das Aufbrechen des Schutzes, und genau das ist nicht erlaubt.

Erlaubt und nicht erlaubt im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die typischen Situationen zusammen. Sie dient der allgemeinen Orientierung und bildet keine verbindliche Bewertung eines konkreten Falls ab.

VorgangBei DRM-freiem E-BookBei DRM-geschütztem E-Book
Privatkopie oder Sicherungskopie für sich selbstin der Regel zulässig (§ 53 UrhG)nicht durch Umgehen des Schutzes (§ 95a UrhG)
Format umwandeln, etwa EPUB zu PDFtechnisch und rechtlich möglichtechnisch blockiert, Entschlüsseln untersagt
Buch auf eigenen Geräten lesenfrei möglichnur in der zugelassenen Umgebung
Kopierschutz entfernen oder knackenentfällt, kein Schutz vorhandenverboten (§ 95a UrhG)
Kopie an Dritte weitergeben oder verkaufennicht von der Privatkopie gedecktzusätzlich rechtswidrig
Buch öffentlich verbreiten oder hochladenunzulässigunzulässig

DRM-frei oder DRM-geschützt erkennen

Ob ein E-Book frei nutzbar ist, hängt allein davon ab, mit welchem Schutz es ausgeliefert wird. Hier lohnt ein Blick vor dem Kauf. Seriöse Shops geben den Kopierschutz in der Produktbeschreibung an. Begriffe wie „ohne DRM“, „DRM-frei“ oder „mit Wasserzeichen“ weisen auf frei nutzbare Dateien hin. Findet sich dagegen ein Hinweis auf Adobe DRM oder ein an ein Konto gebundenes Format, ist mit einem harten Kopierschutz zu rechnen.

DRM-freie E-Books sind verbreiteter, als viele annehmen. Zahlreiche unabhängige Verlage und kleinere Anbieter verzichten bewusst auf harten Kopierschutz und setzen höchstens auf ein Wasserzeichen. Auch wissenschaftliche Verlage und viele Fachbuch-Plattformen liefern offene Dateien. Gemeinfreie Werke, deren Schutzfrist abgelaufen ist, stehen ohnehin frei zur Verfügung. Sammlungen wie Projekt Gutenberg bieten Tausende solcher Titel als saubere, unverschlüsselte EPUB an, die sich ohne jede Einschränkung lesen, kopieren und umwandeln lassen.

Wer ein E-Book in ein anderes Format bringen möchte, etwa um es bequemer auszudrucken oder auf einem bestimmten Gerät zu lesen, sollte deshalb von vornherein auf DRM-freie Quellen achten. Eine offene EPUB-Datei lässt sich direkt im Browser in ein PDF überführen, ohne dass dabei ein Schutz berührt würde. Eine geschützte Datei dagegen bleibt der jeweiligen Plattform vorbehalten, und ein Umweg über das Entfernen des Schutzes scheidet aus den genannten Gründen aus.

Worauf es ankommt

DRM ist der entscheidende Unterschied zwischen einem E-Book, das man frei nutzen kann, und einem, das an einen Anbieter gebunden bleibt. Bei DRM-freien Büchern erlaubt das deutsche Urheberrecht in der Regel die private Kopie und damit auch das Umwandeln in ein anderes Format. Bei DRM-geschützten Büchern ist nicht die Kopie das Hindernis, sondern das Verbot, den Schutz zu umgehen. Wer Flexibilität schätzt, achtet schon beim Kauf auf den Hinweis zum Kopierschutz und greift im Zweifel zu DRM-freien oder gemeinfreien Titeln. Diese lassen sich ohne rechtliche Grauzone lesen, sichern und konvertieren. Bei Unsicherheit zu einem konkreten Fall hilft eine fachkundige Beratung weiter.

FAQ

Häufige Fragen

Darf ich ein DRM-freies E-Book für mich privat kopieren?

Bei E-Books ohne wirksamen Kopierschutz erlaubt das deutsche Urheberrecht in der Regel einzelne Vervielfältigungen zum privaten Gebrauch nach § 53 UrhG. Voraussetzung ist, dass die Vorlage rechtmäßig erworben wurde und keine technische Schutzmaßnahme umgangen wird. Eine Verbreitung oder Weitergabe an Dritte ist davon nicht gedeckt.

Warum lässt sich mein gekauftes E-Book nicht in PDF umwandeln?

Viele über große Shops gekaufte E-Books tragen DRM. Dieser Kopierschutz bindet die Datei an ein Konto oder ein Lesegerät und verhindert das Öffnen in fremden Programmen. Ein Browser-Konverter wie epub-pdt kann solche Dateien deshalb nicht verarbeiten. Nur DRM-freie EPUB lassen sich ohne Weiteres umwandeln.

Ist es legal, DRM von einem E-Book zu entfernen?

Nein. Das Umgehen wirksamer technischer Schutzmaßnahmen ist nach § 95a UrhG grundsätzlich untersagt, auch wenn es nur für den eigenen Gebrauch geschehen soll. Die Privatkopie-Regel ändert daran nichts, weil sie das Knacken eines Kopierschutzes nicht erlaubt.

Woran erkenne ich, ob ein E-Book DRM-frei ist?

Seriöse Shops weisen den Kopierschutz in der Produktbeschreibung aus, etwa als „ohne DRM“, „DRM-frei“ oder „mit Wasserzeichen“. Bücher von vielen Indie-Verlagen und gemeinfreie Titel aus Quellen wie Projekt Gutenberg sind in der Regel DRM-frei und lassen sich frei zwischen Geräten und Programmen bewegen.

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Quellen

Worauf dieser Ratgeber sich stützt

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